Willkommen in Ihrem Diplomatenbüro, twitterte der hessische Titelhändler Stephan Welk (50, angeblich Professor und Doktor) am 30. April 2018 aus Dubai und stellte ein Foto dazu, welches ihn mit seinem ersten prominenten Kunden, der Tennislegende Boris Becker (50) aus Leimen in Baden-Württemberg, und zusammen mit dem EU-Boschafter der Zentralafrikanischen Republik (ZAR), Dr. Daniel Emery Dede, vor der afrikanischen Botschaft in Brüssel zeigt.
Gegen 500.000 Euro in bar soll Welk Becker in London einen Diplomatenpass der ZAR als Attache für Kultur und Sport besorgt haben, mit dem Becker diplomatische Immunität in einem Insolvenzverfahren verlangte, das gegen Becker wegen angeblich 60 Millionen Euro Schulden von seinen Gläubigern in England angestrengt wurde.
Doch der Schuß ging nach hinten los. Das Verfahren, das eigentlich gegen Becker am 21. Juni 2018 enden sollte, wurde nun verlängert. Denn an jenem Tag hat der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik, Charles-Armel Doubane, den angeblichen Diplomatenpass von Becker, der als Kopie von der Deutschen Welle veröffentlicht wurde, als Fälschung bezeichnet.

Das Außenministerium von ZAR teilte dazu mit, das Dokument stehe wahrscheinlich im Zusammenhang mit Blanko-Diplomatenpässen, die im Jahr 2014 gestohlen wurden. Beckers angeblicher Pass trage zudem den 19. März 2018 als Ausstellungsdatum. An besagtem Tag gab das Ministerium nur zwei Diplomatenpässe heraus. Keiner davon ging an Becker.
Auch des Präsidentenbüro des afrikanischen Staates dementierte die Echtheit des Diplomatenpasses. Albert Mokpme, ein Sprecher des ZAR-Präsidenten Faustin-Archange Toudera (61), wies am 21. Juni 2018 gegenüber der Deutschen Welle das mutmaßliche Ernennungsschreiben Beckers zum Attache als wertlos zurück:
Es ist nicht gültig!
In einem Telefonat mit WELT sagte der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik, Charles-Armel Doubane:
Die Sache ist nun Angelegenheit der Justiz.
“Hat Boris den falschen Helfern vertraut?”, fragte daraufhin die BILD.
Und fand heraus, dass Beckers Pass-Helfer eine lange deutsche Polizeiakte hat:
Auch bei der deutschen Polizei ist Welk kein Unbekannter. Betrugsdelikte, Urkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis – die Liste seiner Einträge soll lang sein.
Sein aktueller Wohnort ist unklar, polizeilich ermittelt wurde unter anderem schon in Frankfurt, Ingolstadt, Kassel, Bayreuth und München.
Die diplomatische Laufbahn des Prof. Dr. Stephan Welk kann man laut BILD “durchaus als sonderbar bezeichnen.”
Seit 2015 ist er für den Inselstaat Sao Tome und Principe (liegt vor der Westküste Afrikas, rund 200.000 Einwohner) im Einsatz. Auf der Homepage des dortigen Außenministeriums wird Welk als “Sonderberater im diplomatischen Dienst” geführt. Da heißt es auch, er habe unter anderem in Stuttgart (Chemie), Hagen (Wirtschaft), London und Hamburg studiert. Seinen Doktorgrad (“PhdD”) soll er mit dem Thema “Die diplomatische Immunität eines Diplomaten-Pass-Besitzers” erworben haben. Für die zentralafrikanische Republik ist er nun seit Februar als Berater des Präsidenten tätig.
Welk – Helfer für Rekrutierungs-Verkaufspyramiden
Welk gilt in der Geschäftswelt als Finanzweltenbummler und als Helfer von zumindest für die Initiatoren sehr lukrativen Empfehlungs-Verkaufspyramiden, bei denen stets ein scheinbar hoffnungsvolles Produkt nur der Aufhänger ist, um immer neue Einzahler zum Beispiel für Schulungspakete zur rekrutieren.
Sein neuestes Projekt ist ein Empfehlungs-Marketing für Krypto-Mining-Schulungspakete der erst in diesem Jahr in Hongkong gegründeten Firma Nexus Global Factoring Ltd, bei der Stephan Welk laut Business-Plan-Präsentation zum Kern-Team gehört.
Nexus Global bietet als Produkt Zwei-Jahres-Schulungspakete für ein Bitcoin-Mining von 25 Dollar als Micro Starter (Mining Payout Bitcoin: 100 GH/s) bis 50.000 Dollar als Ultimate Miner (200.000 GH/s).
Ein Informant warnte den Finanznachrichtendienst GoMoPa.net:
Fakt ist: Nexus Global hat mal wieder keine Mininggeräte oder Aktivität.
Verkauft werden sollen die Schulungspakete über ein binäres Vergütungsmodell, bei dem man hinter sich zwei Empfehlungsstränge aufbauen soll, über die man dann über 8 Ebenen an jedem Neugeworbenen zwischen 5 und 0,5 Prozent automatisch mitverdient.
Der in Singapur lebende österreichische Blockchain-Experte Dr. Julian Hosp (32), Präsident der Krypto-Kreditkartenfirma TenX in Hongkong und Bestsellerautor von “Kryptowährungen einfach erklärt”, sieht bei einem solchen Vergütungsplan-Modell kein wirkliches Geldverdienen mit Bitcoin-Mining, sondern nur durch Rekrutierung immer neuer Leute wie in einem Schneeballsystem. Dr. Hosp spricht von einer Clowd-Mining-Abzocke.
Die Nexus Global Factoring Limited bietet den Käufern ein Multiwallet für alles.
Die neuartige Multiwallet von NEXUS, der Aufbewahrungsort für Kryptowährungen, soll alle Produkte des gesamten Netzwerkes umfassen.
Performance Vertraulich aus Transilvanien (Rumänien) stellt das Nexus-Multiwallet so vor:
Dort befindet sich auch das MLM-Backoffice, wo sowohl Fiat-Geld in Kryptowährungen als auch Kryptowährungen in Fiat-Geld umgetauscht werden können. Dort kann auch in verschiedenste Produkte investiert werden. NEXUS nennt in diesem Zusammenhang Cryptotrader, Cryptowährungs-Casinos, Sportwetten, Forex Trading, Binäroptionen, eine eigene Exchange Plattform sowie ICO/IPO. Zukünftig soll auch der Silber- und Goldhandel dazugehören.
Ein Wallet, das alles kann? Das erinnert stark an den Empfehlungswürfel Cube7 der Bonofa AG aus Saarbrücken, ein neues Social Network mit virtuellem Kaufhaus und Gamingplattform, welches Facebook, Amazon und Co. glatt in den Schatten stellen sollte. Eine Vorablizenz kostete 2.500 Euro. Für die Anwerbung neuer Lizenznehmer gab es comPoints, die bei einem geplanten Börsengang in echtes Geld getauscht werden sollten. Der Börsengang wurde laufend verschoben. Die comPoints verfielen, wenn man sie nicht mit einer jährlichen Gebühr verlängerte.
Tatsächlich sitzt denn auch neben Professor Welk im Core Team der Nexus Global Factoring Ltd. als Mitgründer der einstige Bonofa-Verkaufstrainer Michael Thomale (47) aus Berlin.
Seit Oktober 2017 ist der aus Sachsen stammende Thomale Geschäftsführer der Schulungsfirma GoPa Consulting und Projektentwicklung GmbH aus dem Kürfürstendamm 194 in Berlin Charlottenburg von Inhaberin und Prokuristin Shirley Thomale (30) aus Berlin.
Davor ludt Thomale auf Youtube im März 2015 Schulter an Schulter mit dem Seminar-Fallensteller Ehrendoktor Dirk Griesdorn (53) aus Bottrop in NRW und Schulungszentrum in Kärnten in Österreich zu Bonofa-Schulungen ein, um die Teilnehmer ins Network einzuarbeiten und parallel zum Coach auszubilden.
Griesdorn:
Viel Geld mitbringen. Umsonst ist nichts.