Die drei bisherigen Lebenszyklen des Augsburger Strukturvertriebes finanzprofi AG sind spektakulär:
Das Wichtigste in Kürze:
1. Gründung mit Geschäftsmodell des Konkurrenten Telis: Erst kopierten, manche sagen auch klauten, die Gründungsvorstände Thorsten Hass (59, hanseatischer Kaufmann) aus Hamburg und Walter Klein (72, Rechtsanwalt ) aus Rodgau 2009 damals noch unter dem Namen ASG finanz GmbH im hessischen Hattersheim das Finanzanalyse-Geschäftsmodell (Datenaufnahme durch Berater, Datenverwaltung und Gutachten durch Backoffice) des bayerischen Konkurrenten Telis Finanz Vermittlung AG aus Regensburg von Klaus Bolz (72) aus Regenstauf.
2. Seelenverkauf an S&K: Dann verkauften sie 2011 ihre Seele aus Finanznot (das Lebensversicherungsgeschäft lief schlecht) in einem 7-Jahres-Vertrag an die kriminelle Frankfurter S&K-Gruppe und machten S&K-Boss Jonas Köller (43) aus Erlenbach zum Aufsichtsratsmitglied der 2011 gegründeten finanzprofi AG, die am, 12. November 2012 mit der ASG finanz GmbH verschmolz und im April 2016 nach Augsburg umzog.
3. Unabhängigkeitsverkauf an WWK: Und sie verkauften schließlich nach der Verhaftung von Jonas Köller am 19. Februar 2013 wegen später gestandener Untreue von 90 Millionen Euro im selben Jahr 2013 ihre Allfinanzvermittler-Unabhängigkeit an die Münchener WWK Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit und deren Maklerpool 1:1 Assekuranzservice AG sowie dem dazugehörigen Mehrfachagenten-Pool 2:2 Assekuranzservice GmbH & Co. KG in Augsburg.
Walter Klein trat 2016 aus dem Vorstand der finanzprofi AG aus. Thorsten Hass trat 2019 aus dem Vorstand aus.
Dr. Patrick Afflerbach (38) aus Königsbrunn bei Augsburg, seit 2019 Vorstand der finanzprofi AG und seit 2020 Verwaltungsvorstand der 1:1 Assekuranzservice AG, beide in Augsburg, Ausriss aus finanzprofi-ag.de
Sein Nachfolger wurde im September 2019 der erfolgreiche Springturnier-Reiter des Reitvereins Königsbrunn e.V. Gut Fohlenhof (Sieger 2017 im Bayernchampionat der NÜRNBERGER Versicherungen) und promovierte Wirtschaftsinformatiker (Uni Augsburg) Dr. Patrick Afflerbach (38) aus Königsbrunn bei Augsburg.
DKM 2020 – Vortrag von Dr. Patrick Afflerbach ab Minute 3:50
Seit 2017 verantwortet er die digitale Transformation beim Versicherungsmakler-Pool 1:1 Assekuranzservice AG. Seit September 2019 ist er dort Verwaltungsvorstand als Nachfolger seines Vaters, des in den Ruhestand gewechselten Vorstandsvorsitzenden und langjährigen WWK-Prokuristen Jürgen Afflerbach (70) aus Königsbrunn. Der Senior wurde 2019 1. Beisitzer und Tierschutzbeauftragter im Vorstand des Reitvereins Königsbrunn e.V. Gut Fohlenhof, bei dem die WWK Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit und ihr Pool 1:1 Assekuranzservice AG und andere Versicherer wie AXA, Allianz, ARAG, Gothaer Allgemeine, R+V Versicherung und Württembergische zu den Sponsoren zählen.
Das System Strukturvertrieb funktioniert scheinbar immer
Glück für Dr. Patrick Afflerbach, dass eine Vertriebsstruktur-Pyramide, die ja in den USA erfunden wurde, wie GoMoPa.io im Bericht über den Kölner Strukturvertrieb OVB Vermögensberatung AG, der Arbeitswiege des heute in München lebenden AWD-Gründers Carsten Maschmeyer (65) aus Bremen, aufzeigte, wohl immer zu funktionieren scheint.
finanzprofi AG – Unternehmensvorstellung 2018
Im Fall der finanzprofi AG scheint es so zu sein: Egal, ob es S&K-Produkte waren, die zu etlichen Schadensersatzprozessen gegen die finanzprofi AG führten, oder ob es nun vornehmlich WWK-Produkte sind. Der Strukturvertrieb schwimmt immer oben.
In unserer Serie über die 27 Allfinanzvertriebe und 5 Spezialvertriebe in Deutschland nimmt die finanzprofi AG 2023 mit einem Jahres-Provisionserlös von 5,09 Millionen Euro (ein Plus von 17,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) den Rang 20 ein.
Und das mit nur 66 Beratern im Jahr 2023. In den Anfangsjahren arbeiteten zu Spitzenzeiten 750 Vertriebe und freie Handelsvertreter für die damalige ASG finanz GmbH, den Vorläufer der finanzprofi AG.
Bezeichnend für die Akquise neuer freier Handelsvertreter ist die Aussage von Dr. Patrick Afflerbach am 13. Oktober 2024 im Interview mit dem Offenburger Magazin Die-Privatbank.de, dass er eigentlich nur bei der Anwerbung junger Leute Erfolg hat: „Unser exzellentes Beraterwachstum liegt insbesondere bei jungen Talenten. So konnten wir in 2023 60 neue Berater in diesem Segment (Lebens- und Sachversicherungen – Anmerkung der Redaktion) gewinnen.“
Aus besonderem Grund haben wohl viele erfahrene Kundenberater der finanzprofi AG in der Vergangenheit den Rücken gekehrt.
Schuldanerkenntnisse von Handelsvertretern verlangt
Rechtsanwalt Kai Behrens aus Münster berichtete auf seinem Portal Handelsvertreter-Blog.de Brisantes über den Umgang mit den freien Handelsvertretern (Beratern). Offenbar verlangten die ASG AssekuranzService GmbH & Co. KG aus Hattersheim (von 2011 bis 2012 alleiniges Mutterunternehmen der finanzprofi AG, das je zur Hälfte Thorsten Hass und Walter Klein gehörte) in der Vergangenheit von ihren Vermittlern, Vorschüsse auf Provisionen durch notarielle Schuldanerkenntnisse abzusichern.
Das bedeutet: Bekam ein neuer Berater eine Provisionsvorauszahlung, musste er sich per Notar zur Rückzahlung verpflichten, falls Umsätze ausbleiben. Diese Praxis – die auch bei anderen Vertrieben vorkam – wurde von Anwälten scharf kritisiert, da sie den Vermittler in ein existenzielles Risiko stürzt.
Tatsächlich machte finanzprofi von solchen Schuldanerkenntnissen Gebrauch und scheute auch nicht davor zurück, bei ausbleibendem Erfolg sofort die Zwangsvollstreckung einzuleiten.
Für die Mitarbeiterzufriedenheit und Bindung von Beratern sind derartige Maßnahmen natürlich abträglich. Zwar mag dies heute, unter dem Dach der WWK, anders gehandhabt werden – doch es zeigt ein grundlegendes Problem im Strukturvertrieb-System: Hoher Vertriebsdruck kann zu rücksichtslosen Methoden gegenüber Kunden und Vermittlern führen.
Was sagen die Berater und Mitarbeiter selbst? Wurde nun in der WWK-Ära alles besser?
Ein Blick auf Mitarbeiterbewertungen und Berichte zeichnet ein gemischtes Bild. Auf Kununu, einer Plattform für Arbeitgeberbewertungen, kommt die finanzprofi AG auf einen durchschnittlichen Score von 3,5 von 5 Punkten – und liegt damit unter dem Branchendurchschnitt der Versicherungsbranche (3,9).
Etwa zwei Drittel der Mitarbeiter würden das Unternehmen weiterempfehlen. Gelobt werden in einigen Bewertungen insbesondere der Zusammenhalt im Team und die Möglichkeiten zur Weiterbildung. So heißt es positiv, finanzprofi biete „Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, Teamarbeit, [und] Unterstützung in allen Bereichen“.
Auch die flexible Zeiteinteilung und die Chance, als Quereinsteiger eine Karriere im Finanzvertrieb aufzubauen, werden vereinzelt hervorgehoben.
Diese Punkte deuten darauf hin, dass finanzprofi engagierten Beratern durchaus Entwicklungschancen und ein unterstützendes Netzwerk bietet – ein Stärken-Aspekt, den der Vertrieb aus seiner Telis-DNA (Backoffice-Entlastung der Berater) bewahrt hat.
Andererseits gibt es erhebliche Kritikpunkte aus den eigenen Reihen, vor allem aus der Zeit nach 2013.
Ein ehemaliger Mitarbeiter aus der Verwaltung der finanzprofi AG beschreibt 2015 die Zustände nach dem S&K-Skandal und der Übernahme durch 1:1 Assekuranzservice AG als „absolute Katastrophe“: „Permanente Druckausübung durch die Führungskräfte, Überstunden sind die Regel, und der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern lässt absolut zu wünschen übrig. Hier werden Mitarbeiter eingestellt, die zwei Wochen später plötzlich nicht mehr gebraucht werden. Keine Struktur sowie fehlende Transparenz. Aufgrund fehlender Fachkenntnisse teilweise sehr inkompetentes Führungspersonal! Hier hat man definitiv keinen sicheren Arbeitsplatz!“
Auch die Vertriebsmethoden der finanzprofi AG stehen in der Kritik.
Ein ausgeschiedener Mitarbeiter im Bereich Finanzen und Controlling der finanzprofi AG in Augsburg monierte im Juli 2022 beispielsweise fragwürdige Verkaufspraktiken bei Immobilienanlagen: Kunden werde suggeriert, der Kauf denkmalgeschützter Wohnungen als Kapitalanlage finanziere sich quasi von selbst durch Steuervorteile, doch in der Realität blieben Käufer auf erheblichen monatlichen Kosten sitzen. „Ich finde es nicht ok, das Vertrauen der Kunden so zu umgehen und mit ihren Finanzen zu spielen“, schreibt der Insider und verweist auf Fälle, in denen Kollegen ihren Kunden erhebliche finanzielle Belastungen aufbürdeten – bis hin zu einem drohenden Privatinsolvenzfall.
Seine harsche Kritik mündet in der Aussage: Das Konzept habe „weder Hand noch Fuß“, und die Kunden würden letztlich ihrem Schicksal überlassen.
Solche Stimmen deuten auf ethische Defizite in der Beratung hin, zumindest einzelner Vertriebseinheiten oder Führungskräfte, die unrealistische Versprechungen zulassen, um Abschlüsse zu erzielen.
finanzprofi AG – Stärken und Schwächen
Zum Abschluss sollen die wichtigsten Stärken und Schwächen der finanzprofi AG gegenübergestellt werden:
Stärken: Die finanzprofi AG verfügt über ein zeitgemäßes Allfinanzkonzept, das Kunden eine ganzheitliche Beratung bietet. Durch das zentralisierte Backoffice nach Telis-Vorbild werden Berater von Admin-Aufgaben entlastet, was Effizienz schafft. Als Teil des WWK-Konzerns ist finanzprofi finanziell stabil aufgestellt und hat Zugang zu einer breiten Produktpalette (Kooperation mit hunderten Gesellschaften). Viele Berater schätzen die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und den Teamzusammenhalt im Unternehmen. Für engagierte Quereinsteiger bietet finanzprofi einen Einstieg in die Selbständigkeit mit karriereorientierter Perspektive. Aktuell zeigt das Unternehmen außerdem wieder Wachstum – im Jahr 2023 etwa stieg der Umsatz um 17,3 %, was auf eine erfolgreiche Vertriebsstrategie hindeutet.
Schwächen: Die Vergangenheit belastet die Reputation: Die finanzprofi AG hat durch den Telis-Konflikt und insbesondere den S&K-Skandal erhebliches Vertrauen verspielt. Alte Vorwürfe (abgekupfertes Geschäftsmodell, Falschberatung bei Anlagen) wirken nach. Der Verlust der Unabhängigkeit ist ein weiterer Schwachpunkt – als Tochter von 1:1/WWK steht finanzprofi im Ruf, nicht mehr frei am Markt agieren zu können, was kritische Kunden und Berater skeptisch sehen. Intern wurden Führungsdefizite und hoher Druck auf Mitarbeiter offenbart, was auf Schwächen in der Unternehmenskultur hindeutet. Zudem ähnelt das Vertriebsmodell in Teilen einem klassischen Strukturvertrieb mit hoher Provisionsabhängigkeit; das kann zu Interessenskonflikten führen, wenn Umsatz über Kundennutzen gestellt wird. Die Qualität der Beratung ist uneinheitlich – während manche Berater seriös arbeiten, gab es Fälle von unrealistischen Versprechen gegenüber Kunden (zum Beispiel bei Immobilieninvestments), was dem Image schadet.
Fazit:
Unterm Strich ist die finanzprofi AG ein Beispiel für die Gratwanderung im Finanzvertrieb: Vom schnellen Aufstieg mit kopiertem Erfolgsmodell über gefährliche Abkürzungen in Form fragwürdiger Partnerschaften hin zur Rettung in die Arme eines Großkonzerns. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das Unternehmen aus früheren Fehlern gelernt hat. Gelingt es, eine Kultur der Fairness gegenüber Kunden und Mitarbeitern zu etablieren und gleichzeitig die Vorteile des Konzernverbunds zu nutzen, könnte finanzprofi seine Position festigen. Andernfalls droht das Schicksal, trotz einst großer Ambitionen, im Markt nur als warnendes Fallbeispiel für strukturelle Risiken und Fehlentwicklungen in Allfinanzvertrieben zu gelten. Nun denn ..