Der Fall Kay Rieck – ein Bericht aus der Schattenwelt der Finanzmärkte:
Am 13. März 2025 klickten im ICE nach Nürnberg die Handschellen. Beamte der Bundespolizei nahmen einen 61-jährigen deutschen Staatsbürger fest. Was zunächst wie eine gewöhnliche Festnahme klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als spektakulärer Coup der Ermittlungsbehörden. Denn bei dem Verhafteten handelt es sich um Kay Rieck, den Gründer des skandalumwitterten Fondsanbieters Energy Capital Invest (ECI) sowie der Deutsche Oel & Gas AG (DOGAG), heute firmierend als Brutus AG – ein Name, der passender kaum sein könnte.
Der Anfang vom Ende: Eine Unternehmensgeschichte zwischen Vision, Verschleierung und Verlust
Kay Rieck galt in den späten 2000er Jahren als Hoffnungsträger für deutsche Privatanleger, die auf der Suche nach lukrativen Alternativen zu klassischen Investments waren. Mit seiner Energy Capital Invest sammelte er über Jahre hinweg Kapital im dreistelligen Millionenbereich ein – konkret rund 175 Millionen Euro über verschiedene sogenannte US Öl- und Gasfonds. Das Versprechen: Beteiligungen an hochprofitablen Projekten in den USA, insbesondere dem später als Fiasko bekannt gewordenen Gasfeld “Kitchen Lights Unit” in Alaska.
Die Realität: ein undurchsichtiges Firmengeflecht, ausbleibende Auszahlungen, notdürftige Umstrukturierungen – und schließlich die Umwandlung der versprochenen Rückflüsse in Aktien der Deutsche Oel & Gas AG, die sich als faktisch wertlos herausstellten.
Vom Rohstofftraum zur Insolvenzfarce
2016 trat Rieck mit einem neuen Modell an den Markt: Namensschuldverschreibungen in Serie, ausgegeben über eigens gegründete GmbH & Co. KGs mit fast identischer Namensgebung (US Öl und Gas Namensschuldverschreibungen 1–7). Auch hier floss erneut Kapital – rund 30 Millionen Euro laut Polizeiangaben – doch spätestens 2017 soll klar gewesen sein, dass das Unternehmen nicht mehr in der Lage war, Rückzahlungen zu leisten.
Statt rechtzeitig Insolvenz anzumelden, so der Vorwurf der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, habe Rieck einen anderen Weg gewählt: Den Austausch des Vorstands, die Umbenennung der DOGAG in Brutus AG, die Verlegung des Firmensitzes nach Berlin – und schließlich das völlige Abtauchen der Gesellschaft. Die Ermittler sprechen offen von einem mutmaßlichen Bankrottdelikt mit vorsätzlicher Insolvenzverschleppung.
Die Rolle der BaFin: Wegsehen, später eingreifen
Ein unrühmliches Kapitel dieser Geschichte schreibt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Während Anleger, Verbraucherschützer und kritische Medien schon frühzeitig auf massive Risiken und fragwürdige Konstrukte hinwiesen, stufte die BaFin die Anlageprodukte über lange Zeit als unkritisch ein. Erst Jahre später – als das Kartenhaus längst wackelte – wurde die Aufsicht tätig. Zu spät, wie viele Beobachter meinen.
Spätestens mit Riecks neuen Aktivitäten über die HELENA ENERGY GmbH, die wiederum ohne genehmigte Prospekte am Markt agierte, schlug die BaFin schließlich doch auf – allerdings mit zögerlichem Nachdruck. Auch hier blieb der wirtschaftliche Schaden für gutgläubige Anleger bestehen.
Kay Rieck steht im Zentrum eines weitreichenden Finanzskandals, der Tausende von Anlegern betrifft.